Kann Frau Tampons auch nachts tragen?

Kann Frau Tampons auch nachts tragen?

Es ist der Albtraum jeder Frau, doch zu viele von uns haben es schon erlebt: das rote Chaos unter der Bettdecke, wenn die Monatshygiene über Nacht versagt. Wenn es passiert, kann man froh sein, wenn man wenigstens zu Hause ist. Noch schlimmer ist es aber, wenn es in einem Hotel, bei Freunden oder sonst irgendwo vorfällt.

In solchen Fällen ist Frau lieber einmal übervorsichtig und benutzt einen Maxi-Tampon als zusätzlichen Schutz über Nacht. Andere, mich eingeschlossen, wollen lieber darauf verzichten, aber mögen das feucht-warme Windelklima von (Nacht-)Binden einfach nicht und suchen sich eine andere Alternative.

Schadet es, mit dem Tampon zu schlafen?

Frau in weissem Bett

Toxisches Schock-Syndrom (TSS)

Fast jede Frau hat wohl schon die ein oder andere Schauergeschichte über diese Krankheit gehört. Aber hast du den Beipackzettel deiner Tamponschachtel schon einmal durchgelesen? „TSS ist im Zusammenhang mit Tampongebrauch beschrieben worden. […] TSS kann lebensbedrohlich sein und muss daher frühzeitig erkannt und behandelt werden“ – so steht es in der Packungsbeilage von o.b., ziemlich klein und ganz am Ende.

Die Benutzung von Tampons kann also in der Theorie zum toxischen Schock-Syndrom führen, einer lebensbedrohlichen Krankheit. Kurz gesagt: Die Benutzung von Tampons kann tödlich sein. Das Rauchen von Zigaretten auch, deswegen steht auch gross auf jeder Packung: DAS RAUCHEN VON ZIGARETTEN KANN TÖDLICH SEIN.

Da frage ich mich: Warum steht auf Tamponschachteln keine Warnung? Eigentlich müsste da stehen: DAS TRAGEN VON TAMPONS KANN TÖDLICH SEIN. Ich möchte hier keine Panik scheuern, aber allzu häufig nehmen wir die Gefahr auf die leichte Schulter, immer nach dem Motto „Mich trifft es bestimmt nicht“. Das hatten sich Jemma-Louise Roberts und Natasha Scott-Falber sicher auch gedacht, bevor die beiden Teenager am toxischen Schocksyndrom starben; oder Lauren Wasser, die 2012 wegen TSS ihr Bein verlor.

Beim toxischen Schock-Syndrom handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die zwar selten, aber sehr gefährlich ist. Ausgelöst wird es durch Bakterien mit dem zungenbrecherischen Namen Staphylokokken, das unter bestimmten Umständen Giftstoffe freigibt. Diese Bakterien sind natürlicherweise in der Scheide vorhanden, doch im feucht-warmen Klima eines vollgesogenen Tampons breiten sich die Bakterien ungebremst aus. Dies kann in den folgenden zwei Fällen zum Verhängnis werden:

1) Der Tampon ist zu saugstark

Bei leichter Periode, zum Beispiel gegen Ende der Monatsblutung, sollten Tampons mit einer möglichst tiefen Absorption gewählt werden. Tampons mit starker Saugkraft dürfen nur bei wirklich starkem Fluss zur Verwendung kommen. Ansonsten trocknet der Tampon die Scheide aus, was zu Rissen in den Schleimhäuten führen kann. Wenn die Staphylokokken dann die gefährlichen Giftstoffe produzieren, können diese durch Risse ins Blut gelangen.

2) Der Tampon wurde zu lange nicht gewechselt

Dies hängt gewissermassen mit Punkt 1 zusammen: Wird der Tampon über mehr als sechs bis acht Stunden im Körper gelassen, haben die Bakterien viel Zeit, sich zu vermehren und Giftstoffe zu produzieren. Ausserdem trocknet der Tampon die Schleimhäute weiter aus, wodurch die Giftstoffe über Risse ihren Schaden im Körper anrichten können.

Hier kommen wir nun zur eigentlichen Frage: Schadet es, Tampons über Nacht zu benutzen? Um die Gefahr des toxischen Schocksyndroms zu minimieren, darf ein Tampon auf keinen Fall länger als acht Stunden getragen werden. Hersteller wie o.b. oder Tampax empfehlen, ihn sogar alle vier Stunden zu wechseln. Wenn du also vorhast, lange auszuschlafen, dann solltest du während der Nacht keinen Tampon verwenden. Andernfalls kann ein Tampon über Nacht getragen werden, sofern er erst kurz vor dem Schlafengehen eingeführt und am Morgen sofort wieder entfernt wird.

Welche Alternativen gibt es?

Mit dem Tampon zu schlafen ist trotz aller Vorsichtsmassnahmen nicht ideal, denn eine Infektion kann nie komplett ausgeschlossen werden. Wer nun denkt, für den Rest seines Lebens mit Windeln schlafen zu müssen, liegt aber falsch. Natürlich gibt es heutzutage saugfähige Nachtbinden, bei denen auch (fast) nichts daneben geht. Ich persönlich mag sie allerdings nicht, weil mich das Windel-Feeling wirklich stört.

Ich mit Lily Cup

Alternative 1: Die Menstruationstasse

Die Menstruationstasse hat viele Vorteile und ist mein persönlicher Favorit, nicht nur während der Nacht. Menstruationstassen können gefahrlos bis zu zwölf Stunden getragen werden. Die „Tassen“ fangen das Blut in der Scheide lediglich auf, ohne die Umgebung auszutrocknen. Ausserdem enthalten sie keine Chemikalien und bestehen aus unbedenklichem, medizinischem Silikon. Menstruationstassen gibt’s zum Beispiel bei Intimina (Affiliate Link).

Thinx Instagram

Alternative 2: Period Panties

Sowas gibt es tatsächlich: Spezielle Unterhosen, die so viel Blut auffangen können, wie zwei normale Tampons. Ich persönlich habe sie noch nicht ausprobiert, aber andere Frauen sind begeistert. Noch dazu sehen die Panties richtig schick aus! Zu kaufen gibt’s die revolutionäre Unterwäsche im Online-Shop von Thinx.

farbige Stoffbinden

Alternative 3: Stoffbinden

Was erstmal ziemlich schrecklich klingt, ist in Wahrheit nicht weniger hygienisch als herkömmliche Binden, mit dem Vorteil, dass sie ökologischer sind und keine Chemikalien enthalten. Ausserdem sind sie auch etwas fürs Auge, denn es gibt sie mit hübschen Mustern. Da sie nicht aus gebleichten, künstlichen Fasern bestehen, sondern grösstenteils aus Baumwollstoffen, reduzieren Stoffbinden das unangenehme Windel-Gefühl. Wer sich kreativ betätigen möchte, kann sich selbst welche nähen. Bestellen kann man sie zum Beispiel bei Blumenkinder.

 

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6 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Danke für die Erwähnung! 🙂 Ich selber nutze auch nur noch die Tasse in Kombination mit Thinx und Stoff-Slipeinlagen wenn mal alle Thinx in der Wäsche sind 😀 So komme ich ganz gut durch die Tage 😉

    1. Author

      Danke dir! Ich habe vorher noch nie von der Unterwäsche gehört. Aber sie sieht echt schön aus und macht total Sinn. Muss ich unbedingt ausprobieren 🙂

  2. Ich finde es toll, dass du dieses Thema ansprichst, vor allem weil es vielerorts immer noch nicht als „salonfähig“ gilt. Ich stehe Tampons auch immer kritischer gegenüber. Glücklicherweise habe ich meine Tage nie sehr stark, so dass bis auf maximal zwei Tage auf Tampons verzichten kann und eine dünne Slipeinlage ausreicht. Für die zwei Tage sind Stoffbinden oder die Unterwäsche für mich irgendwie auch keine echte Alternative, da ich da auch dieses „Windelgefühl“ habe.

    Eine Menstruationstasse habe ich mir schon vor ein paar Jahren zugelegt, allerdings sitzt sie bei mir anscheinend falsch, da sie manchmal nicht ganz dicht hält und das herausholen funktioniert auch nicht problemlos. Deine sieht aber ganz anders aus. Vielleicht sollte ich nochmal einen neuen Versucht wagen. 🙂

    1. Author

      Zum Glück ist es bei mir auch so, dass die Tage bei mir nicht besonders stark ausfallen. Genau an den leichtesten Tagen sind die Tampons nämlich problematisch, weil sie dann noch mehr austrocknen… Von den Tassen gibt es wirklich viele verschiedene Versionen. Ich hab die Lily Cup gewählt, weil sie einen Überlaufschutz am oberen Rand hat, der vor allem beim Entfernen hilfreich ist. Die Lily Cup ist auch speziell, weil sie ein „Spine“ hat, also eine Art Verstärkung im hinteren Teil. So lässt sie sich leichter positionieren. Es gibt auch andere Hersteller wie zum Beispiel Me-Luna, die Tassen in verschiedenen Härten bzw. Spannungsgraden anbieten… Hoffentlich findest du eine, die dir angenehm ist 🙂



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