tanzende Frau auf dem Feld

Menstruation Week #1: Der Zyklus – was passiert da überhaupt?

Menstruation Week #1: Der Zyklus – was passiert da überhaupt?

Heute ist Tag 1 meines Menstruationszyklus. Das heisst, ich schreibe diesen Artikel vom Bett aus und kämpfe mit meinen allmonatlichen Rückenschmerzen. Heute ist aber auch Tag 1 der Menstruation Week – meiner ersten Artikel-Serie.

Warum eine Menstruations-Serie?

Trotz (oder auch wegen) des (mangelnden) Sexualkundeunterrichts in unseren Schulen haben die meisten Frauen die ein oder andere Frage zum weiblichen Zyklus. Die Sache mit den Hormonen und allem ist kompliziert und die Erklärungen unserer leicht beschämten Sexualkundelehrpersonen  in der Schulzeit kratzten nur an der Oberfläche.

Langsam, aber doch merklich, lockert sich die Tabuisierung von Themen wie Menstruation und Sexualität – zum Glück. Es ist also höchste Zeit, dass wir Frauen diese positive Veränderung wahrnehmen und weiter vorantreiben, in dem wir über die Menstruation sprechen. Viele von uns haben Fragen, die sie sich nicht trauen zu stellen, und genau solche möchte ich diese Woche beantworten. Wenn du persönlich eine solche Frage hast oder mir sonst etwas mitteilen möchtest, melde dich unbedingt bei mir; in den Kommentaren unten, über Social Media oder direkt via E-Mail.

Menstruationszyklus Graphik

Der Menstruationszyklus und wie er funktioniert

Die meisten Frauen haben zumindest eine rudimentäre Vorstellung davon, wie der weibliche Zyklus funktioniert. Aus der Schule oder von zu Hause wissen sie wahrscheinlich, dass mit der Periode die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut ausgestossen wird, wenn sich kein befruchtetes Ei darin eingenistet hat. Aber wie der Zyklus genau aussieht und wie er gesteuert wird, davon haben viele, mich eingeschlossen, keine allzu grosse Ahnung. Deswegen habe ich nachgeforscht und versucht, eine verständliche und doch nicht allzu stark vereinfachte Erklärung zusammenzustellen.

Erste Zyklushälfte: die Follikelphase

Der weibliche Zyklus dauert im Durchschnitt 28 Tage. Der alte Zyklus endet am Tag vor der Menstruation, das heisst, der neue Zyklus beginnt am ersten Tag der Menstruation.

Die Dauer der Blutung ist von Frau zu Frau verschieden, liegt normalerweise aber zwischen drei (die Glücklichen!) und sieben (die weniger Glücklichen…) Tagen. Unabhängig davon dauert die erste Zyklushälfte ca. 15 Tage. Sobald die überschüssige Gebärmutterschleimhaut (Graphik: ‚Endometrium‘) ausgeschieden wurde, beginnt der Aufbau von Neuem.

Gebaermutter Graphik

Kommunikation durch Hormone

Die Kommunikation zwischen dem Gehirn und den weiblichen Fortpflanzungsorganen funktioniert nur dank Hormonen. Die Gebärmutter (Graphik: ‚Uterus‘) „weiss“, dass die alte Schleimhaut abgestossen werden muss, sobald das Hormon Progesteron nicht mehr vorhanden ist. Wie es dazu kommt, erkläre ic mit der zweiten Zyklushälfte.

In der ersten Zyklushälfte werden durch die Einwirkung von FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) einige Sexualhormone produziert, die als Östrogene zusammengefasst werden. Diese sind für den Wiederaufbau der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich und bereiten so die Gebärmutter auf die Einnistung einer Eizelle vor.

Während dieser Zeit reifen mehrere Follikel (Eizellen) in den Eierstöcken (Graphik: ‚Ovary‘) der Frau. Über ca. zehn Tage steigt der FSH- und somit auch der Östrogenspiegel stetig an, bis die Hormone schliesslich den Eisprung auslösen.

Eisprung tanzende Eier

Der Eisprung

Der Name „Eisprung“ ist eine treffende Beschreibung für den eigentlichen Vorgang: Eine (und nur eine) der gereiften Eizellen „springt“ aus dem Eierstock und bewegt sich während der nächsten 24 Stunden durch den Eileiter (Graphik: ‚Fallopian Tube‘) in Richtung Gebärmutter. Trifft die Eizelle auf dem Weg auf Spermien, so kann sie befruchtet werden.

(In diesem Beitrag geht es um die Menstruation, und die tritt nur ein, wenn die Eizelle nicht befruchtet wird. Deswegen lassen wir das Schwangerwerde-Gedöns hier weg. Mehr Infos dazu gibt’s zum Beispiel hier.)

Zweite Zyklushälfte: die Gelbkörperphase

Das, was von der „abgesprungenen“ Eizelle im Eierstock zurückbleibt, nennt man den Gelbkörper (Corpus Luteum). Dieser ist für den weiteren Verlauf des Zyklus sehr wichtig: Er produziert das Hormon Progesteron. Dieses Hormon versorgt die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut mit Nährstoffen, damit sie für die Aufnahme einer befruchteten Eizelle bereit ist.

Sofern die Eizelle auf ihrem Weg in die Gebärmutter nicht befruchtet wurde, stirbt der Gelbkörper gegen Ende der zweiten Zyklushälfte ab. Es wird also kein Progesteron mehr produziert; die Gebärmutterschleimhaut wird nicht aufrechterhalten. Die Zeit für ihre Abstossung via Monatsblutung ist gekommen; und ein neuer Zyklus beginnt.

Tampons und Slipeinlagen

Period Positivity – ein berechtigter Trend?

Die Männerwelt reisst noch immer gerne Witze über Frauen und ihre Perioden, obwohl die ganze Sache überhaupt nicht lustig ist. Die werten Herren haben nämlich noch nie einen richtigen Menstruationskrampf erlebt; noch nie mussten sie einen Fremden um einen Tampon bitten, weil die Tage sie überrascht haben; noch nie hatten sie morgens ein rotes Chaos unter der Bettdecke (ausser vielleicht von der Freundin).

Die Menstruation ist ein treuer Begleiter

Trotz all dieser körperlichen und emotionalen Schmerzen/Belastungen/Mühseligkeiten beginnen immer mehr Frauen, sich über ihre Periode zu freuen. „Period Positivity“ heisst der neue Trend. Auch wenn die Periode schmerzlich und mühsam sein kann, Folgendes sollten wir uns bewusst sein:

Wir Frauen menstruieren im Durchschnitt während 38 Jahren einmal pro Monat, das ergibt 456 Monatsblutung. Bei einer Dauer von fünf Tagen sind das 2280 Tage unseres Lebens, die wir menstruierend verbringen. Das sind über sechs Jahre unseres Lebens, und wer will schon sechs Jahre seines Lebens jammernd im Bett verbringen?

Menstruationsbeschwerden

Eine positive Einstellung lohnt sich

Es lohnt sich also, seiner Periode gegenüber positiv eingestellt zu sein. Eine (einigermassen) regelmässige Menstruation zeigt dir, dass du gesund bist. Ein kranker, gestresster oder anderswie belasteter Körper spart nämlich Energie, indem er den Menstruationszyklus zurückschraubt.

Ich weiss, die Schmerzen und Krämpfe sind nicht cool, aber sie zwingen dich, auf dich selbst zu achten. Es ist okay, sich während der Periode zu verwöhnen. Die Menstruation hilft, den eigenen Körper besser zu verstehen sowie seine Signale zu deuten.

Ausserdem ist die Menstruation heute so einfach zu handeln wie nie zuvor. Aufkommende Monatshygieneprodukte wie Menstruationstassen lassen uns fast vergessen, dass wir überhaupt gerade menstruieren, traditionelle Produkte wie Binden und Tampons sind überall erhältlich. Und wer gerade mal keine Lust auf eine Periode hat, kann sie mit hormonellen Verhütungsmitteln einfach überspringen.

Menstruation Week #2

Der nächste Artikel in der Menstruation Week Reihe erscheint am Mittwoch und behandelt das Thema der Monatshygiene. Schick mir deine Fragen und ich werde sie beantworten!

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